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Der MEVA - Blog
Albrecht Weinert

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Albrecht Weinert

Ubuntu nutzen

Der Ubuntu-Einstieg sollte gerade für ausgewiesne Windows-Experten ja einfach sein — oder auch nicht. Über einige mehr zwiespältige Erfahrungen lesen Sie im Folgenden. Vorweg sei gesagt, dass ein späterer Ansatz mit einer VirtualBox (siehe hier) deutlich positiver lief.

Mit einiger Systemerfahrung mit Installation und Verwaltung, selbst wenn nicht mit Linux/Unix, ist das Installieren eines Ubuntu (Workstation) einfach. Wer schon unzählige Windows-Installationen hinter sich und ein ganz klein wenig Linux-Grundwissen hat, kommt jedenfalls mit den Installationsentscheidungen, zu Partitionierung, Netzwerkzugang etc. nicht in Verlegenheit. (Große) Schwierigkeiten kommen dann etwas später bei der Nutzung.

Ziel war hier, in einer von Windows geprägten Umgebung, sprich in einer Domain mit Hunderten von Servern und Workstations und Tausenden Nutzerkonten, auch Linux-Workstations für Übungen und vor Allem für Tests bereitzustellen. Das “Feeling” sollte nicht allzuweit vom Windows-Standard abweichen. Unter diesem Aspekt ist Ubuntu ja eine gute Wahl.

Ziele und Zwecke der angestrebten Ubunu-Installation sind:

  1. Grundsystem mit Linux-typischen Werkzeugen zum Kennenlernen.
  2. Das schließt sogar Spiele und vor Allem Multimedia-Anwendungen ein, bei letzteren zum Kennenlernen der Unterschiede und erhofften / immer versprochenen Vorteile gegenüber Windows.
  3. Web-Zugang mit Browser und Mail.
  4. Zugang zu Windows Freigaben (file, print).
  5. Office-Tools
  6. Java-Development-Kit von Sun (1.6.x).
  7. diverse  Java-Erweiterungen.
  8. IDE, Eclipse (3.4).
  9. Zugang zu Content- und Versionsverwaltungssystemen auf Windows-Servern (SVN, cvsNT u.a.).
  10. Weitere (Software-, CAx-) Engineering-Tools

Zur Zeit des Schreibens dürfen nur 1 und 3 als uneingeschränkt gelungen bezeichnet werden. Bei allen anderen sind noch Schwierigkeiten zu überwinden — gelinde gesagt.

Linux-Zielrechner

Für Linux-Workstations (mit graphischer Oberfläche KDE, Gnome oder andere) kann ja schon minimale Hardware à la EEE-Nullserie genügen. Genommen wurde ein etwa sechs Jahre alter PC, der mit nur 256MB RAM eine Installation von “Windows Server 2003 enterprise” ein paar Jahre lang brav trug, aber bei Windows 2000 und XP keinen Spaß macht bzw. wegen RAM-Mangel die Installation verweigerte. Von Vista reden wir in diesem Zusammenhang selbstverständlich überhaupt nicht.

  • Pentium III (Coppermine) 1GHz
  • 256 MByte, nun hochgerüstet auf  512 MByte (leider seine BIOS-Grenze)
  • 3Com Corporation 3c905C-TX/TX-M

Um es vorwegzunehmen, ein Geschwindigkeitswunder ist Ubuntu auf einem solchen Rechner auch nicht. Bei vielen Aspekten (Boot, manche interaktive Programme) werden eher Verlangsamungen gegenüber der angegrauten und total ersetzten Windows Server 2003 – Installation empfunden. “Ersetze Windows durch Linux und es flitzt” stimmt so allgemein offenbar nicht.

Etwas zu  einen Ansatz mit VirtualBox siehe hier.

Grundinstallation

Der Vorgang ist einfach wenn auch nicht gerade zeitunaufwändig.

  • Neustes ISO-Image von Ubuntu (Workstation) herunter laden.
  • Auf CD Brennen.

Dies macht man (noch) mit seinem Windows-PC, im Beispielfall

21.08.2008  12:28   728.221.696  ubuntu-8.04.1-desktop-i386.iso

mit DeepBurner auf eine CD.

  • CD auf dem Ziel-PC booten.
  • Alles neu formatieren und vernünftig partitionieren.
  • Installation mit sinnvollen Antworten durchlaufen lassen.

Nach Neustart, Anmelden und Test der Netzwerk-Verbindung mit

  • System > Systemverwaltung > Aktualisierungsverwaltung

die Installation auf den neusten Stand bringen und mit

  • Anwendungen > Hinzufügen und Entfernen

Alles holen, was einem noch interessiert bzw. was man gleich zu brauchen glaubt. Damit man dasselbe, wie auf seinen Windows-Workstations vorfindet, wird man Mozilla-Browser und -Thunderbird-mail installieren und wie bei den Windows-Rechnern konfigurieren.

Soweit so gut

Die Nutzung der graphischen Oberfläche und der so erreichbaren Programme erschließt sich dem Windows-Nutzer weitgehend intuitiv. Internet-Nutzung und mail funktionieren wie gewohnt. Dies gilt insbesondere dann, wenn man schon unter Windows vernünftigerweise IE und insbesondere Outlook nicht anfasste.

Datei-Explorer erreicht man unter “Orte” und die Kommando-Shell heißt überraschenderweise “Terminal”. Sie wird nach einigem Suchen und Raten (Shell ist ja ein Linux/Unix-Begriff) schließlich unter

  • Anwendungen > Zubehör > Terminal

gefunden. Da man sie öfter braucht, zieht man sie sich vielleicht gleich auf die Kopfleiste.

Gewöhnungsbedürftig, teilweise sehr

Der file-separator ist / (nicht \ ) und der path-separator ist :  (nicht ; ). Nun ja, das weiß man als Linux- “Allgemeinbildung”, aber lästig sind solch künstlich herbeigeführten Unterschiede in der täglichen Praxis schon.

Immer mehr Windows-Anwendungen akzeptieren ja inzwischen beide file-separator-Schreibweisen, auch durcheinander. Bei keiner bisher gesehenen Linunx-Anwendung fand sich von dieser einfachen Komfort-Maßnahme auch nur die Spur.  Java-Anwendungen, die hier wohl deutlich besser sein müssten, wie Ant, Eclipse etc., wurden zur Zeit des Schreibens noch nicht untersucht.

Total verabschieden muss man sich offenbar von einem einheitlichen Bedienkonzept der Anwendungen; dies ist eine echte Alltagsbremse oder gar -falle. So ist beispielsweise die Tastenkombination für Kopieren und Einfügen teilweise

  • normgerecht cntl-C und cntl-V
  • teilweise aber auch cntl-shft-C und cntl-shft-V und
  • teilweise geht die Funktion gar nicht.

Letzteres trifft auch auf Anwendungen zu, die es gestatten, in ihren Fenstern Text zu markieren. Oder es gibt eine dritte Geheim-Variante. Solch ein Chaos gibt es bei Windows einfach nicht — bis auf die einzige Ausnahme der (hierbei blödsinnigen) cmd.exe.

Läuft (noch?) gar nicht

Der Ton kommt trotz automatisch erkanntem on-board-Einfach-sound nur aus dem linken Lautsprecher. Ein Unterhaltungs-PC (Ziel Nr. 2: Linux-Multimedia kennenlernen) wird dann das so schon mal nicht.

Dies ist kein Hardware- sondern ein Ubuntu-Fehler. Der mitgelieferte “speaker-test” verweigert den rechten Lautsprecher (Option -s 2) rundweg. Und unter Windows 2003 gab’s ja guten Stereo-Sound auf der selben Hardware.

Mit

  • Orte > Netzwerk > …

werden zwar alle eingeschalteten Windows-Rechner im Netzwerk gefunden, aber ihre Freigaben nicht einmal angezeigt. Von Zugriff (oder möglichen Problemen damit) also noch zu schweigen.

Ein USB-Speicher, den ein (schlauer) Switch für Alle ins Netzwerk stellt, bleibt ganz unsichtbar. Alle Windows-Rechner hingegen können diesen im selben LAN in sehen und nutzen.

Ist erklärungsbedürftig anders

Über das schon Laufende und das oben als gewöhnungsbedürftig Geschilderte hinaus, ist fast alles Weitere ist für den eingefleischten Windows-Experten nun anders bis kryptisch:

  • Vom unlesbaren Kunterbunt der ls-Ausgabe,
  • über die standardmäßig fehlenden Dateiendungen
  • zur wirren Verlinkerei.
  • Komplexe Rechteverwaltungs-Tools, die (Gott sei Dank) nichts mit den berüchtigten neun Steinzeitbits zu tun haben (die gerade mal owner, eine Gruppe und alle unterscheiden).
  • Die aus Windows-Sicht elenden neun Steinzeitbits, um die man sich trotz der eben genannten Tools immer noch kümmern muss und die man angezeigt bekommt. (Was von beiden ist denn nun der “System-” Standard?)
  • Und schließlich auch noch Installationen, die zur großen Freude brav und ohne viele Fragen durchlaufen. Nur hinterher ist die mühsam gesaugte Installationsdatei weg, das installierte Programm startet nicht und ist auch im weitläufigen Verzeichnis- und Verlinkungsgewirr unauffindbar.

Bevor man die Pfad- und Verlinkungsgewohnheiten nicht begriffen hat, braucht man also u.A. kein SUN-Java installieren und hoffen, dass es von allen Anwendungen direkt genutzt werden kann.

java -version

zeigt dann,  dass immer noch das mit Ubuntu gelieferte (über wohl drei Link-Ecken) genommen wird:

java version "1.5.0"
gij (GNU libgcj) version 4.2.3 (Ubuntu 4.2.3-2ubuntu6)
Copyright (C) 2007 Free Software Foundation, Inc.

Ein PNG-Bild, zum Beispiel, bekommt i.A. nur dann seine Endung .png, wenn man von Hand ausdrücklich dafür sorgt. Ubuntu erkennt irgendwie trotzdem (aufwändig?) den Dateityp, nicht aber andere (Web-) Anwendungen, denen man so eine Datei dann extensionslos liefert.

Und so weiter …

Resümee

Wenn man als Windows-Experte und weitgehender Linux-Neuling eine Ubuntu-Workstation nur in etwa soweit wie seine Windows-Entwicklungs- und Arbeitsplätze bringen will, findet für die Anfangsgründe und allerersten Schritte viele, ja oft unnötig ausführliche Erklärungen. Für Anfänger bei Null ist das OK, aber für den Bezug zu Windows-Wissen, zum Umstieg oder der Integration in ein Windows-Umfeld findet man hingegen wenig Hilfreiches. Dies gilt insbesondere für den Wunsch, die Hintergründe in einer Tiefe zu erfassen, die beispielsweise der Administration einer großen Windows-Domain oder dem Einrichten komplexer Arbeitsstationen für Software-Engineering oder Prozessleittechnik entspricht.

Häufig anzutreffende “Hilfen”, wie

“Nimm doch apt, dann wär’s gegangen!” (oder rpm)

mögen ja vielleicht im konkreten Einzelfall zum Ziel führen, erklären tun sie aber rein gar nichts.

Noch schlimmer sind gehässige oder von keiner Windows-Kenntnis getrübte vergleichende Bemerkungen, à la “Was denkst Du über Rechte nach? Unter Deinem Windows darf doch auch Jeder Alles”.

Dringend gesucht wird also eine richtige (Einstiegs-) Dokumentation von und für Windows-Experten, und zwar angesichts offenbar gewaltiger Unterschiede gezielt für das jeweilige Ubuntu, Suse etc. pp.

Und noch wichtiger für künftige Linuxe wäre ein einheitliches graphisches und nicht-graphisches Bedienkonzept (s.o.) über alle installierten Anwendungen. Der derzeitige Zustand ist ein “no go” für professionellen / industriellen Einsatz auf Workstations. Beim Einsatz von Ubuntu unter SUNs VirtualBox auf Windows scheinen die “Guest extensions” hier einen Fortschritt im Sinne eines Anschlusses an die einheitliche Windows-Zwischenablage zu bringen — aber das wird ein anderer Artikel.

4 Kommentare zu “Ubuntu nutzen”

  1. phauson 08 Jan 2009 at 03:01

    eine gute Hilfe ist meistens
    http://wiki.ubuntuusers.de/Startseite

    Dort findet man schon einmal die Lösungen zu 70% aller Probleme.
    Das Problem mit der Java Version lässt sich mit einem
    sudo update-java-alternatives -s java-6-sun
    relativ einfach lösen.

    Meiner Meinung nach ist man bei Linux (und auch allen anderen Xnixen immer noch näher am eigentlichen System. Das mag am Anfang mühsam sein und viel Zeit benötigen, letztendlich hilft es aber Probleme gezielt lösen zu können, ohne sich erst durch n-Fensterdialoge klicken zu müssen.

    Was ich sehr empfehle, sind die Änderungen von
    http://wiki.ubuntuusers.de/sources.list

    Denn erst dann ist APT (und dies ist tatsächlich die bessere Wahl) in der Lage, auch alle nicht-freien (unter kommerzieller Lizenz stehenden) Programmpakete zu installieren.

    phaus, am 08.01.2009

  2. kritikon 09 Jan 2009 at 18:41

    Zu Umstieg auf Linux Ubuntu 8.1 oder Windows XP Alternative:
    Seit kurzem (Anf.Dez.08) teste ich Ubuntu auf einem Notebook – Celeron 1,4 Ghz, 1gb Ram.
    Die Erfahrungen von A. Weinert kann ich bestätigen.
    Ich bin Tutor in einem Senioren Internet Café und wir sind dabei eine neue Ausstattung ( Computer + Software) anzuschaffen.
    Vieles an Ubuntu gefällt mir gut, aber eine gute Ordnerstruktur und die Einbindung von gewohnter Software (Ashampoo Brennprogramm, Fotobearbeitung, Musikbearbeitung etc.) geht nicht.
    Open Office finde ich dagegen gut und gut kompatibel.
    Auch das Mailprogramm Evolution finde ich ok, auch die Anschalt- und Ausschaltgeschwindigkeit ist deutlich schneller als bei Windows XP und besonders besser im Vergleich zu Windows Vista.
    Wenn Ubuntu noch ein bisschen was für Windows Umsteiger tut, wäre die Entscheidung zu Linux einfacher.
    kritik im Dezember 2008

  3. phauson 10 Jan 2009 at 00:55

    Es ist zwar durchaus möglich unter Linux viele (lieb gewonnene) Windows Programme auszuführen, allerdings bietet das Opensource-Umfeld selbst sehr viele Alternativen, die den Funktionsumfang und die Bedienung ihrer Windows-Varianten liefern.

    Als Brennprogramm sei hier zum Beispiel K3B genannt.
    http://k3b.plainblack.com/screenshots

    Sollte das einfache (in Gnome – so heißt die Standardoberfläche von Ubuntu – integrierte) Gnome-Backer nicht ausreichen.

    Für die Fotobearbeitung gibt es mittlerweile sogar eine Picasa Version für Linux. Weiterhin gibt es für Musikbearbeitung zum Beispiel das Programm Audacity ( http://audacity.sourceforge.net ).

    Sollte tatsächlich Multimedia-(ver/be)arbeitung im Vordergrund stehen, bietet es sich auch an, gleich die Studio-Version von Ubuntu zu installieren. Dieses ist speziell für die Aufgaben im Grafik/Sound-Bereich ausgelegt. Das schöne ist halt, dass man zwar einige Zeit suchen muss, bis man “seine” Programme gefunden hat, allerdings sind die meisten Entwickler dankbar für Ratschläge, Anregungen und Verbesserungen. Zudem ist alles frei :-) .

  4. a-weinerton 04 Apr 2009 at 18:28

    Neuere Erfahrungen zeigen, dass man auch mit OpenSuse Probleme mit Java und Eclipse hat:
    startet nicht / findet nicht das richtige Java.
     
    Zu “.. unter Linux viele (lieb gewonnene) Windows Programme ..”: Die geschilderten Probleme entstehen nicht bei Windows-Programmen. Es handelte sich um Eclipse und JDK für Linux.

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